Ratgeber
Wasserdicht bis 3, 5, 10, 20 bar – was heißt das wirklich?
„30 m wasserdicht“ – und trotzdem ist die Uhr nach dem Schwimmen beschlagen? Das liegt nicht am Hersteller, sondern an einem verbreiteten Missverständnis. Hier erfährst du, was die Angaben bedeuten und wie du deine Uhr richtig schützt.
Aktualisiert am 7 Min. LesezeitRedaktion wouhr.de
Das Missverständnis mit den Metern
Uhrenhersteller geben die Wasserdichtigkeit in bar, ATM (Atmosphären) oder Metern an. Ein bar entspricht dabei grob einer Atmosphäre und etwa zehn Metern Wassersäule. Die Angabe „30 m“ heißt aber nicht, dass du mit der Uhr 30 Meter tief tauchen kannst. Es handelt sich um einen statischen Prüfdruck, der unter Laborbedingungen bei ruhendem Wasser und konstanter Temperatur geprüft wird.
In der Praxis wirken ganz andere Kräfte: Beim Kraulen, Springen oder unter einem kräftigen Wasserstrahl entstehen Druckspitzen. Warmes Duschwasser lässt Dichtungen und Gehäuse ausdehnen, kaltes Wasser danach zieht sie zusammen. Seife, Shampoo, Chlor und Salz greifen Dichtungen an. Deshalb bewerten Uhrmacher die Angaben stets vorsichtiger, als die reinen Zahlen vermuten lassen.
Die Tabelle: was du mit welcher Angabe darfst
Die folgenden Richtwerte beruhen auf der Norm ISO 22810 für wassergeschützte Uhren und den Empfehlungen großer Hersteller. Im Zweifel gilt die Anleitung deines Modells.
- Keine Angabe oder „Water Resistant“ ohne Zahl: nur Schweiß und Spritzwasser
- 3 bar / 30 m: Regen, Spritzwasser, Händewaschen – nicht duschen oder baden
- 5 bar / 50 m: Händewaschen, Duschen (kalt bis lauwarm), kurzes Schwimmen nur, wenn der Hersteller es erlaubt
- 10 bar / 100 m: Schwimmen, Schnorcheln, Wassersport an der Oberfläche
- 20 bar / 200 m: intensiver Wassersport, Schnorcheln und Freitauchen; Gerätetauchen nur mit Taucheruhr nach ISO 6425
- Taucheruhr nach ISO 6425: geprüfte Uhr fürs Gerätetauchen, mindestens 100 m
Uhren mit 10 bar für Schwimmen & Schnorcheln
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Taucheruhren: die Norm ISO 6425
Für Taucheruhren gibt es eine eigene Norm. ISO 6425 fordert unter anderem eine Wasserdichtigkeit von mindestens 100 Metern, geprüft mit einem Überdruck von 25 Prozent, eine einseitig drehbare Lünette oder eine andere Möglichkeit zur Tauchzeitmessung, Ablesbarkeit in völliger Dunkelheit aus 25 Zentimetern Abstand, Beständigkeit gegen Salzwasser, Magnetfelder und Stöße sowie eine sichere Bandbefestigung. Außerdem wird jede einzelne Uhr geprüft, nicht nur Stichproben.
Viele Uhren mit „Diver“-Optik erfüllen diese Norm nicht offiziell, sind aber dennoch ausreichend dicht für Schwimmen und Schnorcheln. Für echtes Gerätetauchen verlassen sich Taucher heute ohnehin auf einen Tauchcomputer – die Taucheruhr dient als verlässliche Reserve.
Taucheruhren mit 20 bar und Drehlünette
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Smartwatches: IP68 und 5 ATM sind nicht dasselbe
Bei Smartwatches und Fitness-Trackern tauchen zwei unterschiedliche Angaben auf. Die IP-Schutzart nach IEC 60529 (etwa IP67 oder IP68) beschreibt Staub- und Wasserschutz elektronischer Geräte. Die zweite Ziffer 7 bedeutet kurzzeitiges Untertauchen bis einen Meter, 8 ein Untertauchen unter Bedingungen, die der Hersteller festlegt – häufig 1,5 Meter für 30 Minuten in Süßwasser. Bewegung, Salz- und Chlorwasser sind dabei nicht berücksichtigt. IP68 ist deshalb kein Freibrief fürs Schwimmen.
Die Angabe 5 ATM stammt dagegen aus der Uhrenwelt. Smartwatch-Hersteller geben damit meist Schwimmen an der Oberfläche frei, ergänzen aber: nicht zum Tauchen, Wasserskifahren, für heißes Wasser, Seife oder Sauna. Wenn du mit deiner Smartwatch Bahnen ziehen willst, achte also auf mindestens 5 ATM, einen Schwimmmodus und die Schwimm-Freigabe in der Herstellerangabe; einige Modelle bieten zusätzlich eine Wassersperre, die den Touchscreen im Wasser deaktiviert und Wasser aus dem Lautsprecher drückt.
Smartwatches mit 5 ATM
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Krone, Drücker und Dichtungen
Die Schwachstellen jeder Uhr sind ihre Öffnungen: Krone, Drücker, Glas und Boden. Eine verschraubte Krone wird nach dem Stellen wieder festgedreht und dichtet dadurch zusätzlich ab – vergisst du das, gilt die angegebene Wasserdichtigkeit nicht. Chronographen-Drücker solltest du unter Wasser nicht betätigen, es sei denn, der Hersteller erlaubt es ausdrücklich.
Dichtungen aus Gummi oder Silikon altern mit der Zeit. Hersteller empfehlen deshalb, die Wasserdichtigkeit etwa einmal im Jahr prüfen zu lassen, wenn du die Uhr regelmäßig im Wasser trägst – und in jedem Fall nach einem Batteriewechsel oder nachdem das Gehäuse geöffnet wurde. Die Prüfung dauert beim Uhrmacher meist nur wenige Minuten.
Zur Prüfung setzt der Uhrmacher die Uhr in einem Gerät unter Über- oder Unterdruck und misst, ob sich das Gehäuse verformt oder Luft entweicht. Das geht trocken und schont das Werk. Fällt die Prüfung durch, werden meist nur die Dichtungen erneuert – ein kleiner Aufwand im Vergleich zu einem Wasserschaden am Werk.
Pflegetipps für Uhren im Wasser
Mit ein paar Gewohnheiten hält die Dichtigkeit deutlich länger. Nach dem Baden im Meer oder im Pool spülst du die Uhr mit klarem Süßwasser ab und trocknest sie mit einem weichen Tuch. Drehlünetten bewegst du dabei, damit sich kein Salz festsetzt. Lederarmbänder sind grundsätzlich nicht für Wasser gemacht; für Schwimmen und Urlaub eignen sich Kautschuk-, Silikon-, Nylon- oder Edelstahlbänder.
Vermeide Sauna und Dampfbad komplett: Hitze und Dampf sind für fast alle Uhren ein Problem, auch für hochwertige Taucheruhren. Bildet sich Kondenswasser unter dem Glas, bringst du die Uhr möglichst schnell zum Uhrmacher, bevor Korrosion das Werk beschädigt.
Was die Normen genau prüfen
Für normale wassergeschützte Uhren gilt international die Norm ISO 22810, in Deutschland war früher DIN 8310 verbreitet. Geprüft wird unter anderem, ob die Uhr beim Eintauchen in zehn Zentimeter Wasser für eine Stunde dicht bleibt, ob sie einem Überdruck entsprechend der angegebenen Wasserdichtigkeit standhält und ob sich nach Temperaturwechseln Kondenswasser bildet. Auch die Bedienbarkeit der Krone unter Wasser kann Teil der Prüfung sein.
Wichtig: Nicht jede Uhr wird einzeln geprüft. Bei Alltagsuhren genügen oft Stichproben aus der Produktion. Nur für Taucheruhren nach ISO 6425 schreibt die Norm eine Prüfung jedes einzelnen Exemplars vor. Deshalb ist die Angabe auf einer Alltagsuhr eher als Richtwert für den Neuzustand zu verstehen.
Typische Situationen im Alltag
Viele Fragen zur Wasserdichtigkeit entstehen im Alltag. Beim Händewaschen reicht schon eine Uhr mit 3 bar – solange du sie nicht unter den laufenden Strahl hältst oder länger untertauchst. Beim Abwaschen und Putzen kommen Spülmittel, heißes Wasser und Stöße zusammen; hier legst du auch eine robuste Uhr besser ab. Beim Duschen belasten Wärme, Seife und Shampoo die Dichtungen. Ab 5 bar ist kaltes bis lauwarmes Duschen zwar üblicherweise erlaubt, viele Hersteller raten aber davon ab, die Uhr regelmäßig heiß zu duschen – prüfe die Herstellerangabe.
Im Urlaub am Strand ist Sand ein unterschätzter Gegner: Er kann sich zwischen Lünette, Krone und Armband festsetzen und Dichtungen beschädigen, wenn du die Krone später bedienst. Spüle die Uhr daher nach dem Strandtag gründlich ab, bevor du sie stellst. Beim Springen vom Beckenrand oder beim Wasserski entstehen kurzzeitig hohe Drücke – dafür sind mindestens 10, besser 20 bar sinnvoll.
- Händewaschen: ab 3 bar, nicht untertauchen
- Duschen: ab 5 bar, nur kalt bis lauwarm, ohne viel Seife
- Pool und Meer: ab 10 bar (5 bar nur kurz und laut Hersteller), danach abspülen
- Springen, Wasserski: 20 bar empfehlenswert
- Sauna und Dampfbad: immer ablegen
Kurz zusammengefasst
Die Zahl auf dem Zifferblatt oder Gehäuseboden ist ein Prüfwert unter Idealbedingungen, keine erlaubte Tiefe. Für den Alltag mit Regen und Händewaschen genügen 3 bar. Wer kalt bis lauwarm duscht oder kurz ins Wasser geht, wählt 5 bar und prüft die Herstellerangabe; zum Schwimmen und Schnorcheln sind 10 bar ausgelegt, fürs Tauchen eine Taucheruhr nach ISO 6425. Smartwatches mit IP68 sind vor Regen und Staub geschützt, zum Schwimmen brauchst du mindestens 5 ATM und die Freigabe des Herstellers. Und egal wie hoch die Angabe ist: Dichtungen altern. Eine regelmäßige Prüfung beim Uhrmacher und das Abspülen nach Salz- oder Chlorwasser sorgen dafür, dass deine Uhr dauerhaft dicht bleibt.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer 3-bar-Uhr duschen?
Besser nicht. 3 bar schützt nur gegen Spritzwasser und Regen. Zum Duschen sollten es mindestens 5 bar sein, und auch dann nur kalt bis lauwarm – heißes Wasser und Seife setzen den Dichtungen zu.
Ist ATM dasselbe wie bar?
Praktisch ja. Eine physikalische Atmosphäre entspricht etwa 1,013 bar; bei Uhren werden beide Angaben gleichwertig verwendet.
Warum beschlägt meine Uhr von innen?
Dann ist Feuchtigkeit eingedrungen, meist durch gealterte Dichtungen, eine offene Krone oder Temperaturwechsel. Bring die Uhr zügig zum Uhrmacher, bevor das Werk korrodiert.
Reicht IP68 zum Schwimmen?
Nein. IP68 beschreibt ruhiges Untertauchen unter Laborbedingungen. Für Schwimmen achte auf mindestens 5 ATM und die ausdrückliche Freigabe in der Herstellerangabe.
Wie oft sollte ich die Wasserdichtigkeit prüfen lassen?
Bei regelmäßigem Wasserkontakt etwa einmal im Jahr und immer nach einem Batteriewechsel oder einer Reparatur.











